Aus der Amazon.de-Redaktion
In Zeiten, in denen jeder zweite Film sich
das Etikett "Film Noir" aufklebt,
haben wir es hier tatsächlich einmal
mit diesem Genre zu tun: L.A. Confidential
ist eine rauhe, schmutzige Geschichte im Hollywood
der 40er Jahre über Sex, Skandale, Verrat
und Korruption in allen Lebensbereichen, von
der Polizei über Politik und Presse bis
hin zur ganz persönlichen Ebene.
Das Oscar-gekrönte Drehbuch basiert
auf verschiedenen Romanen einer chronologischen
Thriller-Serie von James Ellroy (z. B. "Stadt
der Teufel", "Blutschatten",
"White Jazz"). Die faszinierende
Mischung aus Schundliteratur und Hollywood-Geschichte
verdient den Vergleich mit Chinatown, dem
größten aller Noir-Filme in Technicolor.
Kim Basinger hat ihren Oscar für die
beste Nebenrolle, in der sie eine widersprüchliche
Femme Fatale darstellt, redlich verdient.
Ihre männlichen Kollegen waren dummerweise
alle gleichermaßen gut, so dass sie
sich bei den Mitgliedern der Academy, die
den Oscar verleiht, wohl gegenseitig aus
dem Rennen geworfen haben. Russell Crowe,
Guy Pearce, Kevin Spacey und James Cromwell
spielen unterschiedlich dekorierte Beamte
des L.A. Police Department.
Eine besonders faszinierende Charakterstudie
über Moralverlust und Ehrgeiz in Hollywood
bietet hierbei Pearce in seiner Rolle des
spießigen "Helden" und Sohn
einer Polizeilegende, dessen Karriereeifer
alle ethischen, moralischen und rechtlichen
Bedenken ausschaltet. Ein "Guter"
ist er nur deshalb, weil das für ihn
den schnellsten Weg zur Beförderung
darstellt. --Jim Emerson
VideoWoche
Los Angeles, Anfang der fünfziger Jahre.
In der Millionenmetropole gibt es niemanden
mehr, der keinen Dreck am Stecken hat. Auch
die Polizei bildet da keine Ausnahme: Der
ausgebrannte, geltungssüchtige Jack
verkauft brandheiße Infos an Skandalblätter,
für den ehrgeizigen Ed ist Loyalität
ein Fremdwort, und Schlägertyp Bud
läßt seinen Aggressionen freien
Lauf. Immer wieder kreuzen sich die Wege
der drei Cops, bis sie schließlich
im tiefen Morast aus Intrigen und Erpressung
zu versinken drohen. Mit 'L.A. Confidential'
ist Regisseur Curtis Hanson ('Die Hand an
der Wiege') ein wahres Meisterwerk gelungen.
In seinem virtuosen Neo-Noir-Puzzle entwirft
der Thriller-Experte ein grandioses Porträt
vom Los Angeles der Nachkriegszeit, in dem
Korruption, Mord und Totschlag an der Tagesordnung
sind. Im Mittelpunkt ein Cop-Trio ohne Skrupel,
gespielt von Kevin Spacey, Russell Crowe
und Guy Pearce. Oscars für Kim Basinger
(beste Nebenrolle) und das beste adaptierte
Drehbuch.
Blickpunkt: Film
Lange galt es als unmöglich, James
Ellroys komplexes Roman-Quartett über
die Schattenseiten und dunklen Obessionen
der Glitzermetropole Los Angeles in den
fünfziger Jahren zu verfilmen. Als
zu labyrinthartig-verzweigt galten die zahllosen
Handlungsstränge, als zu extrem die
paranoiden Gewaltvisionen dieser erschütternden
Crime-noir-Ritte durch menschliche Höllen
und Abgründe. Mit dem atemberaubendsten
Kinofilm, der in Cannes im Wettbewerb zu
finden war, ist Curtis Hanson das Kunststück
gelungen, die Essenz Ellroys auf Zelluloid
zu bannen: ein gewaltiger Kraftakt, in dem
sich Fiktion und Realität zu dem besten
chandleresken Krimi seit 'Chinatown' bündeln.
Fernab der Konventionen des Mainstreams
und mit einem wachsamen Auge auf Ton, Stil,
Charakterisierung und Ausstattung des Kinos
der Ära stürzt Hanson den Zuschauer
in das Los Angeles der Nachkriegsjahre,
ein brodelnder Schmelztiegel, in dem Korruption,
Verbrechen, Mord und Intrigen an der Tagesordnung
sind. Im atemberaubenden Zickzack-Kurs ermitteln
die drei Antihelden dieser kompromißlosen
Actionballade in einem spektakulären
Mordfall, der immer größere Kreise
zieht und auch vor hochgestellten Persönlichkeiten
keinen Halt macht.
Aufregend originalgetreu hält sich
der Regisseur, der das Drehbuch gemeinsam
mit Brian Helgeland verfaßte, an Ellroys
Romanvorlage 'Stadt der Teufel'. Dessen
blitzschneller, rudimentärer Maschinengewehrstil
findet seine Entsprechung in dem rasenden
Schnitt und den immer auf den Punkt hervorgebellten
Dialogen. Wie Ellroy benutzt auch Hanson
reale Ereignisse und Personen aus den Annalen
der Stadt, um das Koordinatennetz zu schaffen,
in denen die Figuren um Ruhm, Reichtum,
Macht, Einfluß und - im besten aller
Fälle - Erlösung ringen. Hier
sind es Verbrecherkönig Mickey Cohen
und seine rechte Hand Johnny Stompanato
und der Bezirksanwalt Ellis Loew, ein Übergriff
der Polizei gegen mexikanische Untersuchungshäftlinge
und das Massaker vom Nite Owl Coffee Shop,
die als Ausgangs- und Orientierungspunkt
dienen in einer Geschichte, die sich immer
weiter verzweigt und noch weiter kompliziert
wird, indem sie im ständigen Wechsel
aus drei Perspektiven erzählt wird.
Dank des klug strukturierten Buchs verliert
man dennoch nie den Überblick, egal,
wie schnell sich die Dinge entwickeln.
Drei gefallene Engel der LAPD stehen im
Mittelpunkt von 'L.A. Confidential', und
in stets neuen Kombinationen kreuzen sich
ihre Wege, bis ihre jeweiligen Schicksale
nicht mehr zu trennen sind: Jack Vincennes
(Kevin Spacey im coolen Dean-Martin-Outfit)
ist ein ausgebrannter, abgebrühter
Veteran, der seine Sucht nach Aufmerksamkeit
als Berater einer TV-Copshow stillt und
Informationen unter der Hand an das Skandalblatt
'Hush-Hush' verkauft, Ed Exley ein aalglatter
Streber, der dem Erbe seines berühmten
Vaters gerecht werden will und sich auch
gegen die Loyalitätscodes seiner Kollegen
wendet, wenn es seiner Karriere hilft, und
Bud White ein brutaler und nicht allzu gewiefter
Schläger, der vor allem dann rot sieht,
wenn Frauen Gewalt angetan wird. Ihre einzige
Gemeinsamkeit besteht darin, daß sie
alle von den Dämonen ihrer Vergangenheit
gejagt werden. Jeder einzelne wird sich
ihnen im Verlauf der Handlung stellen müssen
- mit verblüffenden Ergebnissen...
In einem Besetzungscoup, den man als genial
bezeichnen muß, übertrugen Hanson
und sein Produzent Arnon Milchan zwei der
Hauptrollen den relativ unbekannten australischen
Darstellern Russell Crowe und Guy Pearce,
denen man als Zuschauer völlig unbefangen
entgegentritt. Nur zögernd will man
mit diesen anfangs brüsk und negativ
dargestellten Hardboiled-Cops sympathisieren.
Wenn die einzige Identifikationsfigur nach
zwei Dritteln in einer schockierenden Szene
eliminiert wird, ist man gezwungen, sich
auf ihre Seite zu schlagen. Kein Zuschauer
wird es bereuen, mit diesen beiden Desperados
durch ein Fegefeuer geschickt zu werden,
das vom lange überfälligen Comeback
des Polizeifilms zeugt. In weiteren Rollen
agieren James Cromwell als väterlicher
Police-Officer, Danny DeVito als wieselhafter
Klatschreporter, Kim Basinger als Edelprostituierte
und David Strathairn als Millionär
mit ausgefallenen Vorlieben. Sie sind ebenso
gut wie das Topteam hinter der Kamera. Gemeinsam
haben sie einen meisterlichen Policier geschaffen,
der am Ende des Jahres zu den Klassenbesten
gehören wird. ts.
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