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Aus der Amazon.de-Redaktion
Der von Kritikern viel gelobte Mystic River,
Clint Eastwoods 24. Film als Regisseur und
einer der besten Filme des Jahres 2003,
liefert auf eindrucksvolle Weise eine überragende
Vorstellung in Sachen schauspielerische
Leistungen, Drehbuch und Regie. Brian Helgeland,
der für L.A. Confidential einen Oscar
gewann, adaptierte den Roman von Dennis
Lehane.
Dieser Thriller dreht sich um das Geheimnis
von drei seit ihrer Kindheit befreundeter
Männer -- gespielt von Tim Robbins,
Sean Penn und Kevin Bacon -- im Arbeiterviertel
von Boston. Die Drei werden durch ein Verbrechen
in ihrer Vergangenheit und einen Mord in
der Gegenwart (an der Tochter des von Sean
Penn gespielten Charakters) wieder vereint.
Diese zwei Tragödien schaffen einen
tödlichen Kreislauf aus Verdächtigungen,
Schuld und unterdrückten Ängsten,
der in einer Explosion mit verheerendem
und unvorhersehbarem Resultat mündet.
Eastwood ist mit diesem Stoff in perfektem
Einklang und gibt seiner perfekt besetzten
Darstellerriege (darunter Laura Linney,
Marcia Gay Harden und Laurence Fishburne)
genügend Möglichkeiten, die Tiefen
einer weit reichenden menschlichen Tragödie
abzuklopfen, die zu einem vieldeutigen Ende
führt, welches Mystic River schon jetzt
zu einem zeitgenössischen Klassiker
erhebt. --Jeff Shannon
Blickpunkt:
Düster und mächtig sind die Gewässer,
durch die sich Clint Eastwood in 'Mystic'
River', seiner 24. Regiearbeit, manövriert.
Natürlich sind dem einstigen Mann ohne
Namen Themen wie Gewalt, moralische Verantwortung
und der Einfluss der Vergangenheit auf die
Gegenwart nicht fremd, aber selten ging
er so konzentriert, intensiv und konsequent
zu Werke wie in der Verfilmung von Daniel
Lehanes 'Spur der Wölfe' über
drei Jugendfreunde in Boston, die einst
von einer Gewalttat voneinander entfremdet
wurden und deren Wege sich nach einer neuerlichen
Gewalttat wieder kreuzen. Ohne die Thrillerstruktur
jemals zu vernachlässigen, nutzt Eastwood
die packende Prämisse für ein
faszinierendes Psychogramm dreier auf unterschiedliche
Weise getriebener Männer, die erkennen
müssen, dass alle ihre Taten bisweilen
unabsehbare Folgen haben. Sean Penn, Kevin
Bacon und Tim Robbins brillieren in den
Hauptrollen dieses Films in der Eastwood-Tradition
von 'Pale Rider' oder 'Erbarmungslos'.
Tatsächlich nimmt 'Mystic River' einen
Ausnahmeplatz im Schaffenswerk des mittlerweile
76-jährigen Filmemachers ein. Obwohl
nach Aussage aller Beteiligten ebenfalls
im patentierten Eastwood-Stil entstanden,
für keine Einstellung mehr als drei
Klappen zu brauchen, ist diese Ballade um
Schicksal, Rache, Schuld und Sühne
anders als seine vergangenen Regiearbeiten,
insbesondere seine entspannten Krimis nach
Belletristikvorlagen ('Absolute Power',
'Ein wahres Verbrechen', 'Blood Work'),
keinen Deut schludrig. Ohne auf Atmosphäre
zu verzichten, verschwendet Eastwood hier
keine Sekunde, lässt er die präzisen
Widescreen-Kompositionen niemals nach Außen
drängen. In perfekt arrangierten Bildern
und aufeinander abgestimmten Szenen entsteht
eine Konzentration auf die Mitte der Leinwand,
eine Konzentration, deren Intensität
atemberaubend ist. Vermutlich auch ein Verdienst
des wie unter Strom stehenden Sean Penn,
der den Film mit einer seiner besten Darstellungen
dominiert und lenkt.
Er ist einer von drei Kindheitsfreunden,
die man in einem längeren Prolog als
rotzige, aber doch harmlose Straßenkids
kennen lernt: Beim Spielen werden der taffe
Jimmy, der unbedarfte Sean und der unauffällige
Davey von zwei Männern unterbrochen,
die sich als Polizisten ausgeben, aber als
Kinderschänder erweisen und Davey entführen.
Erst nach vier Tagen unsäglicher Pein
kann er entkommen. 30 Jahre später
leiden immer noch alle Drei unter den Erlebnissen
von einst: Jimmy ist ein harter Hund geworden,
der nach zweijährigem Knastaufenthalt
als Besitzer eines kleinen Ladens den Ball
flach hält und mit der bestimmten Annabeth
zwei Töchter hat. Den permanent verunsicherten
Davey lässt das Martyrium von einst
nicht los - trotz glücklicher Ehe mit
der Cousine von Jimmys Ehefrau und einem
gemeinsamen Sohn machen ihm die Dämonen
schwer zu schaffen. Als Unbekannte bei der
Polizei ein Verbrechen melden, tritt auch
Sean wieder auf den Plan: Er ist mittlerweile
Cop und laboriert an der schmerzhaften Trennung
von seiner Frau. Opfer des gemeldeten Verbrechens
ist ausgerechnet Jimmys älteste Tochter,
die brutal geschlagen und erschossen wurde.
Parallel zur Polizei leitet er seine eigene
Ermittlungen, um Rache üben zu können,
und setzt damit eine Tragödie in Gang.
Stück um Stück legt Eastwood Schichten
der Psyche der drei Männer frei und
tastet sich durch ein undurchsichtiges Gestrüpp
an Informationen, das über den Umweg
über die Vergangenheit neue Einblicke
in die Geschehnisse in der Gegenwart erlaubt.
Eine Fülle von Details und kleinen
Hinweisen ergeben nach und nach ein immer
monströseres Bild von verkorksten Leben,
von Menschen, die aufgrund der Last ehemaliger
Taten den Überblick im Hier und Jetzt
verloren haben. Mit höchster Ökonomie
sammelt Eastwood die Daten, um schließlich
in einem parallel montierten Showdown die
finstersten Bilder seiner Karriere zu evozieren.
Alldieweil zeigt er sich geradezu besessen
im Zeigen der wahren Auswirkungen von Gewaltverbrechen,
als wollte er für die en passant errichteten
Leichenberge vergangener Filme Abbitte leisten.
So entsteht ein packender Film, der so gar
nichts von der typischen Versöhnlichkeit
gängiger Alterswerke haben will. 'Mystic
River' ist ein American Gothic, eine beklemmende
Moritat in der Ahnenfolge von 'Die Nacht
des Jägers', 'The Wild Bunch' und letztlich
auch 'Erbarmungslos', die trotz minimaler
Fehlgriffe (Eastwoods selbst komponierter
Score) jetzt schon das Prädikat 'Klassiker'
verdient. ts.
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