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Traffic - Macht des Kartells
Alex sein Senf
Ein absoluter Spitzenfilm aus der hand von Steven Soderbergh. Die Machtlosigkeit der Behördern gegenüber dem Drogenhandel kommt hier in atemberaubender Optik und mit einem tollen Schauspieler-Ensemble rüber. Da sind die mexikanischen Polizisten, die ihr Leben riskieren. Da ist der Drogenbeauftragte der US-Regierung, der im eigenen Haus Probleme mit seiner abhängigen Tochter hat. Da ist die Frau eines Drogen-Bosses, die ihren Lebensstil nicht durch ein Urteil verlieren will und Zeugen töten lässt. Am Ende siegt das Kartell. Die scheinbaren Erfolge gibt es nicht. Dennoch ist der Film ein Appell zum Weiterkämpfen für alle, die dem Drogenhandel den Kampf angesagt haben.
 
DATEN  
Erscheinungsjahr: 2000, USA/Deutschland
Oriniginaltitel: Traffic
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch:
Simon Moore
Stephen Gaghan
 
DARSTELLER

Benicio Del Toro
Jacob Vargas
Tomas Milian
Michael O'Neill
Michael Douglas
Luis Guzmán
Don Cheadle
Majandra Delfino
Topher Grace
Erika Christensen
Alec Roberts
Catherine Zeta-Jones
Dennis Quaid

.... Javier Rodriguez
.... Manolo Sanchez
.... General Arturo Salazar
.... Lawyer Rodman
.... Robert Wakefield
.... Ray Castro
.... Montel Gordon
.... Vanessa
.... Seth Abrahms
.... Caroline Wakefield
.... David Ayala
.... Helena Ayala
.... Arnie Metzger

 
FILMBESCHREIBUNGEN / KRITIKEN
 

Blickpunkt: Film
Es ist offiziell: Steven Soderbergh ist der aufregendste Regisseur, der gegenwärtig in Hollywood arbeitet. Nur neun Monate nach 'Erin Brockovich', seiner großen Überarbeitung dessen, was man als klassisches Starvehikel bezeichnet, stellt der Filmemacher mit dem facettenreichen Mosaik-Policier 'Traffic' seine bislang gewagteste und souveränste Variante des mit Mitteln des Experimentalfilms neu entworfenen Mainstreamkinos vor: Soderbergh verfolgt eine Handvoll von zunächst nur durch den Überbegriff Drogen verbundenen Handlungssträngen, die sich mit zwingender Logik zu einem packenden Netz schmerzhafter Wahrheiten zusammenfügen und den konzertierten Krieg der US-Regierung gegen Drogen als zwangsläufig zum Scheitern verurteilt entlarven. Authentischer, packender und spannender waren politische amerikanische Krimis auch zu Zeiten von 'French Connection' oder 'Serpico' nicht.
Die britische Miniserie 'Traffik' berichtete Ende der achtziger Jahre in sechs einstündigen Folgen vom verschlungenen Weg der Drogen von den Produzenten in Pakistan zum Konsumenten in Europa. Stephen Gaghan verlegte die Handlung nach Mexiko und die Vereinigten Staaten und komprimierte die ausufernden Plots zu einem zweieinhalbstündigen Puzzlespiel, das einem in seiner wilden Anordnung den Atem raubt. In Steven Soderberghs kongenialer Zickzack-Umsetzung geht das übergeordnete Motiv nie verloren, egal welche Umwege er bei der Erfassung der komplexen Thematik auch gehen mag, um altbekannte Truismen mit Leben zu erfüllen. Wie die immer wieder gezeigten Automassen am Grenzübergang zwischen den USA und Mexiko und die unablässigen Menschenströme auf den Straßen der Metropolen beider Länder verdeutlichen, geht es sehr buchstäblich um Verkehr - Drogenverkehr, mit allen Implikationen des Wortes - und um die unweigerlich damit verbundenen menschlichen Schicksale: Hersteller und Konsumenten; Dealer und Käufer; Jäger und Gejagte; Polizei und Diebe; Ursache und Wirkung. Kein Stein bleibt umgedreht, keiner kommt sauber raus.
Da ist ein mexikanischer Cop in der Grenzstadt Tijuana (Benicio del Toro als klassischer Lumet-Antiheld mit Licht- und Schattenseiten, ein melancholischer Latino-Popeye-Doyle), der nicht länger mitansehen will, wie seine Stadt von Gewalt, Verbrechen und Drogen aufgefressen wird, sich mit Kräften einlässt, die er nicht kontrollieren kann, und zum Verräter wird, um seinem Traum einen winzigen Schritt näher zu kommen. Da ist die verwöhnte High-Society-Ehefrau aus dem exklusiven Vorort von San Diego (Catherine Zeta-Jones ebenso elegant im Umgang mit Coco (Chanel) wie mit Koks), die erst bei der Verhaftung ihres Ehemannes erfährt, dass der Reichtum ihrer Familie auf groß angelegtem Drogenhandel fußt, und die Dinge auf unkonventionelle Weise in die Hand nimmt. Und schließlich ist da der designierte Drogenzar der amerikanischen Regierung (Michael Douglas in der Rolle, die Harrison Ford nicht den Mut hatte zu übernehmen), der so sehr mit der unüberschaubaren Logistik seiner Berufung beschäftigt ist, dass er nicht realisiert, dass seine Einser-Schüler-Tochter selbst längst drogenabhängig ist. Für sich alleine genommen, wäre jede der Episoden Stoff für ein rührseliges TV-Movie-of-the-Week. Tatsächlich erzählt Soderbergh auch nicht wirklich Dinge, die man nicht wissen könnte. Aber die Kombination der Handlungsstränge, die zwingende Logik, mit der sie zusammenhängen, sich bedingen, ohne dass sie jemals wirklich zusammenführen würden, verleiht 'Traffic' seine Prägnanz und Größe.
Und schließlich ist da noch die furiose Umsetzung, für die sich Soderbergh selbst die Handkamera geschnappt hat, um den Figuren so nah zu kommen, als wäre jeder Moment ganz authentisch festgehalten. Fahrig und unablässig folgt er Opfern und Tätern auf Schritt und Tritt, bis die Grenzen verwischen und nur noch menschliche Schicksale und Tragödien bleiben. So groß ist die Intensität des Films, dass sich der Regisseur sogar Auszeiten erlauben darf, in denen er den Charakteren einfach nur beim alltäglichen Sein zuschaut. Das sind die besten Momente, wenn 'Traffic' den unablässigen Informationsfluss der Krimihandlung ausblendet und einfach nur tief Luft holt. 110 Sprechrollen gibt es in diesem High-Times-Sittenfresko, und doch haben Worte noch in keinem Film Soderberghs eine so untergeordnete Rolle gespielt. Eine Szene, in der der mexikanische Cop in einem Schwulenclub einen Handlanger eines Drogenkartells verführt, kommt gar komplett ohne Dialog aus. 'Traffic' ist ein Bilderfilm, der nicht zuletzt durch die höchst eigenwillige Farbgebung - dreckig-gelbe Farbfilter für die Tijuana-Szenen, kalt-blaues Licht für das Zentrum der Macht, ungefilterte Beleuchtung am Schnittpunkt der beiden Welten im Haus des Drogendealers - an Kontur und Persönlichkeit gewinnt. Nicht ganz kann Soderbergh die Spannung über die volle Länge aufrecht erhalten, manche wichtige Aspekte bleiben ausgeklammert, und die Auflösung scheint allzu bequem. Und doch ist 'Traffic' ein Beispiel für Filmemachen allerhöchster Ordnung, das Kopf und Herz gleichermaßen füttert - ein Erlebnis, das high macht und obendrein noch völlig legal ist. ts.

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Traffic - Macht des Kartells

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Steven Soderbergh
Benicio Del Toro
Michael Douglas
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Traffic

 


 
   
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